Elisabeth Masé

Einführung in die Ausstellung
Gabriele Undine Meyer - Blue Beatifics
Capella hospitalis, Bielefeld
April - Mai 2007

Die Installation "Blue Beatifics" besteht aus großformatigen Portraits (Mimaki-Print auf Voile), die frei im Raum hängen. Die abgebildeten jungen Mädchen strahlen eine ruhige, ernste Schönheit aus. Sie erscheinen dem Betrachter wie zeitlose Wesen aus einer anderen Welt, die trotz ihrer Zartheit doch von großer Präsenz sind. Wie unirdische Chronisten scheinen sie die alltäglichen Geschicke der Menschen zu begleiten. Die Gesichter der schönen jungen Frauen unterteilen den Raum, bilden dabei einen neuen, inneren Raum und lassen uns in eine andere Welt eintreten. Es ist eine Welt, die bewahrt, was wir fassen möchten, die uns berührt und doch unberührbar bleibt, die nur Hauch ist, Ahnung, Zerbrechlichkeit, die vergeht, verweht und am Ende nichts als Erinnerung bleibt.

Gabriele Undine Meyer hat ihre Mädchengesichter fast zufällig gefunden: in alten Fotoalben, fotografiert von einem unbekannten Fotografen. Ich sage fast zufällig, denn sie suchte danach. Seit Jahren schon. Das Vergangene fasziniert sie. Sie möchte es festhalten und wie eine Taucherin ans Licht der Gegenwart holen. Sie wurde bei ihrer Entdeckung von der überirdischen, engelshaften Schönheit der ausbleichenden Fotografien dieser unbekannten jungen Mädchen berührt. Und sie installierte die fototechnisch stark vergrößerten und auf Voile reproduzierten verblichenen Gesichter dieser Mädchen wie durchsichtig hängende Wände - im Seminarraum der Capella hospitalis. Die dadurch wieder auferstandenen Frauen leben nicht mehr. Sie haben ihr Schicksal hinter sich, ein Schicksal aus einer Zeit, zwischen 1900 und 1920, die wir nicht mehr kennen. Oder meinen wir sie doch zu kennen? Vielleicht spiegelt sich das Leben unserer Mütter und Großmütter in ihr. Vielleicht. Wir fühlen die Nähe des Todes und der Vergänglichkeit. Die Gesichter der Frauen wirken rein und melancholisch. Das angedeutete Fotoschutzpapier im Vordergrund verwischt wie ein Schleier ihre Individualität, nostalgisch verklärend. Fern sind sie, diese schweigenden Gesichter, nicht fordernd, eher wie Opfer wirken sie und durch ihre Übergröße doch seltsam nah und ahnungsvoll. Ihre schleierhafte Durchsichtigkeit entzieht die Gesichter unserem Zugriff. Das macht sie überirdisch. Was bleibt, ist Projektion, Nachhall, ästhetisierte Melancholie.